Einfach anfangen – warum du im Grunde kaum Geld brauchst, um deine Idee schnell zu starten
- Bettina Eiben Künzli
- 6. Sept. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Jan.
2025-09-06
„Ohne Geld geht nichts.“ Diesen Satz hört man oft, wenn es um neue Ideen geht. Und ja – Miete, Strom und Materialien zahlen sich nicht von selbst, und verdienen tut man anfangs auch nichts. Aber manchmal ist das, was es wirklich braucht, kein grosses Budget und kein dickes Portemonnaie, sondern etwas anderes: den Mut, den ersten Schritt zu machen – und ins kalte Wasser zu springen.
Genau so war es bei Learnovation.
Die Idee gab es schon länger. Unsere Gründerin Sujitha wollte bereits vor zwei Jahren ein Projekt starten. Damals fehlten Anna und mir jedoch die Zeit. So begann sie im Kleinen: samstags, bei sich am Küchentisch mit ihren und den Nachbarskindern.
Dort zeigte sich schnell, dass es nicht auf die perfekte Ausstattung ankommt. Ob drei oder sechs Kinder – es spielte keine Rolle. Die Kinder kamen, die gemeinsamen Lernerfahrungen führten zu sichtbaren Erfolgen. Lehrer:innen bemerkten Fortschritte, die Kinder gewannen Selbstvertrauen – und Sujitha wusste: Hier entsteht etwas, das gebraucht wird.
Von Anfang an war Vielfalt das Herzstück. Kinder aus unterschiedlichen Stadtteilen, Schulhäusern und sozialen Hintergründen trafen sich am selben Tisch – und lernten gemeinsam.
Im April dieses Jahres kam die Idee erneut auf den Tisch, und im August war der richtige Moment da. Gemeinsam mit Anna und mir wagte Suji den Schritt. In nur zehn Tagen fanden und gestalteten wir einen Raum, in dem heute – 7 Tage nach der Eröffnung – bereits 14 Kinder aktiv lernen, Schach spielen und Gemeinschaft erleben.
Natürlich war das nicht immer einfach und die Ungewissheit schwingt steti. Wir hatten kein grosses Startkapital und sprangen ins kalte Wasser. Doch genau das zeigte uns: Vertrauen trägt. Was fehlte, kam oft durch andere – Möbel, Materialien oder Bücher stammten aus unseren Haushalten, von Freund:innen oder über Secondhand-Plattformen. Menschen brachten ihre Zeit, ihr Wissen, ihre Kontakte ein – und plötzlich entstand ein Netzwerk, stärker als jedes Budget. Wenn jemand mit Feuer startet, springt der Funke über.
Wir hielten die Kosten bewusst klein – und entdeckten dabei eine neue Freude: Dinge wiederzuverwenden, die sonst niemand mehr wollte. Unser gesamtes Mobiliar stammt von tutti.ch. Stühle, Regale, Schränke – alles hat hier ein zweites Leben bekommen. Und jedes Schnäppchen, das den Weg zu uns fand, macht den Raum nicht nur günstiger, sondern auch lebendiger. Was wir schufen sollte kein perfektes High-End-Büro, sondern ein Raum, der bezahlbar ist und mit dem Nötigsten funktioniert, sein. WLAN fehlt? Dann ist das eben Teil des fairen Preisplans. Perfektion später – Start jetzt.
Auch die Organisation wächst mit uns. Zuerst Zettel, dann Excel, heute digitale Formulare. Schritt für Schritt – immer so, wie wir es gerade brauchen.
Natürlich gibt es Stolpersteine: kein WLAN, wenig Zeit, viel Improvisation. Doch genau daraus entstehen die wertvollsten Erfahrungen. Wie beim Fahrradfahren: Man lernt nicht durchs Zuschauen, sondern durchs Tun. Man wackelt, man fällt vielleicht – aber mit jeder Runde wird man sicherer.
Die wichtigste Erkenntnis: Nicht warten, bis alles perfekt ist. Fang an – und lerne unterwegs zu laufen. Vertrauen trägt weiter, als du denkst.
Welche Idee wartet bei dir darauf, endlich umgesetzt zu werden? Erzähl uns davon in den Kommentaren!

Am Anfang war ein Raum im Raum (Bettina Eiben Künzli, September 2025)
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